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Stadt investiert 1,3 Millionen in Sportanlage

Als einer der letzten Essener Vereine hat die Turngemeinde West Kunstrasen statt Asche erhalten. Anlage offiziell eröffnet

Als eine der letzten Plätze Essens hat nun auch die Sportanlage an der Haedenkampstraße 72 einen Kunstrasenplatz erhalten.
Am Gedenkstein, der die Aufschrift Jürgen-Stürzenbecher-Tribüne trägt, versammelten sich die Gäste um Oberbürgermeister Thomas Kufen bei der Eröffnung.                                              <b>Socrates Tassos</b>                                              FUNKE Foto Services (3)
Testeten die neue Anlage: Kinder spielten Fußball bei der offiziellen Eröffnung der Sportanlage Haedenkampstraße in Altendorf.

Testeten die neue Anlage: Kinder spielten Fußball bei der offiziellen Eröffnung der Sportanlage Haedenkampstraße in Altendorf.

Altendorf Da staunte mancher nicht schlecht bei der offiziellen Eröffnung an der Haedenkampstraße: Selten erwies sich eine Baumaßnahme der Stadt so schnell und durchschlagend als die richtige Investition in gesellschaftliche Infrastruktur. Die Turngemeinde (TGD) Essen-West 1910 erlebt einen regelrechten Boom. Seit Sommer wird auf neuester Kunstrasen-Technik gespielt, wo seit 59 Jahren Asche prangte.

Dabei hatte es sogar den Gedanken gegeben, den Verein auf die benachbarte Anlage im Krupp-Park umzusiedeln. Doch nach intensiven Diskussionen beschloss die Stadt, dort nur 1,5 Spielfelder zu bauen, um nicht zu stark in den Parkcharakter einzugreifen.

Die zuletzt darbende Fußballabteilung erlebe durch das neue Geläuf einen Aufschwung sondergleichen, so der Zweite Vorsitzende, Christoph Janus: „Wir haben im letzten Jahr 200 neue Mitglieder bekommen. Hier ist zur richtigen Zeit und an richtiger Stelle saniert worden.“ Der Wettbewerbsnachteil als einer der letzten Essener Vereine mit Aschenplatz sei nun endlich behoben: „Diese Anlage ist so wichtig für den Stadtteil Altendorf. Hier gibt es 11.000 Kinder und Jugendliche.“ Und Oberbürgermeister Thomas Kufen flachste bei der Eröffnung: „Aus Rot wurde Grün.“

Aufwendige Vorbereitung des Untergrunds

Die Bauzeit betrug insgesamt neun Monate. Die Arbeiten zur Vorbereitung des Untergrunds gestalteten sich als umfangreich und komplex. So kamen nach Abtrag der alten Deckschichten Fundamente zum Vorschein, die erst einmal in aufwendiger Weise abgebrochen werden mussten. Im Zweiten Weltkrieg mussten in der Friedrich Krupp Gussstahlfabrik Kriegsgefangene und ausländische Zivilarbeiter Schwerstarbeit verrichten, erfuhren die Gäste.

Ein Lager befand sich an der heutigen Haedenkampstraße. Über tausend Zwangsarbeiter aus Ukraine, Weißrussland und Russland waren hier einst untergebracht unter schlimmsten Bedingungen. Die heutige Sportanlage wurde im Jahre 1963 auf den Ruinen des Lagers erbaut.

Die direkte Lage neben einer Bahnlinie erforderte einen engen Abstimmungsprozess mit der Deutschen Bahn AG. Erst nach Abschluss der vorbereitenden Arbeiten konnte der eigentliche Sportplatzbau weitergeführt werden. Es entstand ein Groß- sowie ein Kleinspielfeld, auch wurde die Hangbefestigung der Sportflächen in Richtung Bahnlinie und Haedenkampstraße erneuert und die Pflasterwege aufgebessert. Die neue Trainingsbeleuchtung ist mit einer energetischen LED-Beleuchtung ausgestattet und es gibt eine komplett neue Entwässerung. Insgesamt lagen die Baukosten bei rund 1,3 Millionen Euro netto.

Der Verein hat mit den Abteilungen Fußball, Turnen, Faustball und neuerdings Volleyball insgesamt rund 750 Mitglieder. Die 271 Senioren der Fußballabteilung spielen in vier Herrenmannschaften und einer Altherrenmannschaft. Die ersten Herren dominierten lange Jahre die Landesliga. Zwei Ligen tiefer haben sie unter Trainer Didi Krause den Aufstieg in die Bezirksliga fest im Blick.

Die Jugendabteilung hat mittlerweile 337 Mitglieder und stellt 13 Mannschaften. Besonders stolz ist der Club auf die neuformierte A-Jugend. Lauter talentierte Eigengewächse, die notgedrungen woanders kicken mussten und nun wieder für ihre TGD auflaufen können.

Beim Empfang im Clubhaus sagte Christoph Janus: „Wir verspüren Rückenwind, müssen aber noch einige Dinge ansprechen.“ So müssten zum Beispiel die nicht mehr zeitgemäßen Umkleiden und sanitäre Einrichtungen dringend angegangen werden. Ralf Becker ist designierter neuer Betriebsleiter der Sport- und Bäderbetriebe und nickte: „Das habe ich sehr wohl vernommen. Nun muss abgeschätzt werden, ob wirklich eine Sanierung im Bestand genügt oder ob doch eine grundlegende Lösung gefunden werden muss. Die kostet aber.“

Quelle: WAZ